Markenanmeldung, der erste Schritt fürs Brandbuilding

Markenanmeldung, der erste Schritt fürs Brandbuilding

Gehörst Du zu den Amazon-Sellern, die eine erfolgreiche Marke aufbauen wollen? Ich jedenfalls gehöre zu denen, die voll und ganz auf Markenaufbau setzen. Warum? Weil ich eine Vision habe, weil ich mich mit meinen Produkten abheben möchte und eines Tages die Freiheit haben will, komplett unabhängig von Amazon zu sein. Ich will alles fundiert aufbauen und deshalb war für mich vor ein paar Monaten die Markenanmeldung dran. 

Zu diesem Thema haben wir bereits zwei Podcasts aufgenommen: Eines mit Heide Kneller Gronen und noch mehr Input von Thomas Engels. Beide sind erfahrene Rechtsanwälte und Markenexperten. Hör am besten gleich rein, wenn das Thema auch für dich gerade dran ist. 

In dem folgenden Artikel findest du Links und wichtige Informationen aus beiden Podcasts zusammengefaßt.

 

Was ist eine Marke und warum sie geschützt werden sollte

 

Eine Marke ist ein Warenzeichen und besteht aus einem Namen, Logo, Symbol, Begriff, einer 3D-Marke, Hörmarke, Farbmarke oder einem Spruch. Auch Kombinationen davon sind möglich und schützbar.

Spontan könntest du denken, dass es dann doch am einfachsten ist, eine Kombination aus Bild- und Wortmarke gleichzeitig schützen lassen. Aber das ist in der Praxis gar nicht so gut, weil du dadurch sofort weniger Gestaltungsspielraum hast und im Nachhinein nichts mehr verändern kannst. Für uns FBA-Starter ist daher primär eine Wortmarke interessant. Denn bei Amazon hat sie zunächst die Funktion, das “Von-Feld” im Listing zu füllen. Und so starten viele von uns ihren Markenaufbau.

Nun musst du als Private-Label-Seller und Hersteller von Produkten für deine Ware Verantwortung übernehmen. Wer viel verantwortet, braucht Absicherungen. Beim Aufbau einer erfolgreiche Marke, ist deshalb auch der Schutz deines Markennamens sehr wichtig. Und hier kommt die offizielle Markenanmeldung ins Spiel.

Eine eingetragene Marke hat rechtlich die Funktion, die Herkunft eines Produkts zu kennzeichnen und zu identifizieren. Der Markeninhaber bekommt durch die Anmeldung ein sogenanntes Ausschließlichkeitsrecht für seinen Markennamen. Die Marke wird hiermit eindeutig zugeordnet und niemand sonst darf unter diesem Markennamen, Waren in Verkehr bringen. Dieses Ausschließlichkeitsrecht bekommst du aber wirklich nur, wenn du deine Marke in einem Markenamt offiziell anmeldest. Deine registrierte Marke ist dann auf eine gute Basis gestellt.

Um dir ein Gefühl dafür zu geben, welche Rolle das Ausschließlichkeitsrecht spielt, stell dir folgende Situation vor: Du hast schon ein gut laufendes Produktsortiment unter einem bestimmten Namen erfolgreich aufgebaut und viel Mühe in Detailarbeit gesteckt. Aber du hast diese Marke nicht registrieren lassen. Jemand könnte auf deinen Erfolg aufmerksam werden und könnte dir die Marke unter der Nase wegschnappen, indem er einfach deinen Markennamen im Markenamt anmeldet, bevor du es tust. Wer zuerst registriert, hat die Rechte, so ist das Gesetz. Das wäre fatal, denn dann dürftest du deine Produkte, die diesen Markennamen tragen, nicht mehr verkaufen. Der neue Markeninhaber könnte zudem noch andere Anspruchsrechte gegen dich geltend machen. Und du hättest rechtlich nichts in der Hand, um dein Werk für dich zu retten.

Ein anderes – weniger böswilliges – Problem könnte sein, dass es bereits eine ähnliche registrierte Marke gibt und du nichts davon weißt. Bemerkt das die andere Firma, kann es zu Einschränkungen und schlimmstenfalls sogar zu einem teuren Löschungsantrag kommen, falls du bereits Ware verkauft hast. In jedem Fall dürftest du deine Marke nicht mehr weiter vermarkten, weil der andere das Ausschließlichkeitsrecht besäße.

Zugegeben, das sind teure Horrorszenarien, aber Markenanwälte erleben durchaus immer wieder genau solche Fälle. Ich denke, es lohnt sich, beim Aufbau einer Marke mit einer guten Basis zu starten.

 

Markenidentität

 

Gleich zu Beginn solltest du dir Gedanken machen, was deine Marke repräsentieren soll. Mit der Marke willst du dich ja von anderen Mitwettbewerbern abheben. Du musst dir also überlegen, welche Idee mit deiner Marke verbunden werden soll. Was ist besonders an deinem Angebot? Wer soll angesprochen werden? Was für ein Lebensgefühl willst du für deine Marke schaffen. Das sind alles Vorbereitungen, die Spaß machen, aber auch sehr viel Zeit und Kreativität abverlangen. Allein schon für die Namenssuche solltest du etwas mehr Recherche-Zeit einplanen. Man unterschätzt manchmal, wie lange man dann doch grübelt, welcher Name zu den Ideen passt. 😉

 

Namensuche und was man beachten sollte

 

Es gibt ein paar grundsätzliche Regeln, die beachtet werden müssen:

  • Dein Wunschname darf keiner anderen verwandten Marke ähneln. Beispiel: Wenn du Klebstoff verkaufen willst, dann solltest du auf keinen Fall “ÜHÜ” als Markennamen wählen. Das klingt zu sehr nach der bekannten Klebstoffmarke “UHU”.
  • Kein Name, der “gebräuchlich” klingt. Beispiel: “KLEBI” für Klebstoff.
  • Auf Aussprache und Schreibweise achten. Beispiel: Ein Name kann geschrieben sehr einzigartig aussehen, aber (in unterschiedlichen Sprachen) ausgesprochen, dann doch Ähnlichkeiten mit Vergleichsprodukten haben. An dieser Stelle wird die spätere Recherche des Markenanwalts wichtig, aber es ist gut, wenn du das schon anfangs mit bedenkst.
  • Dein Name darf sich nicht an ein Symbol eines Vergleichsprodukts anlehnen.

 

Um unterschiedliche Namen zu testen, gibt es im Internet das Recherche-Tool namecheckr. Bevor du einen Markenanwalt kontaktierst, solltest du hier grob überprüfen, ob für deinen gewählten Namen noch eine Domain frei ist. Wenn sie vergeben ist, solltest du einen anderen Namen finden. Nachträglich zu versuchen, eine Domain zu bekommen, ist zwecklos. Also lieber gleich einen noch freien Domain-Namen finden, selbst wenn du deinen liebgewordenen Namen deshalb aufgeben musst. Heide empfiehlt für die Vorrecherche folgende Links: http://www.wipo.int/branddb/en/, http://www.wipo.int/madrid/monitor/en/, https://www.tmdn.org/tmview/welcome.html. Über die DPMA (Deutsches Patent- und Markenamt) kannst du deinen Namen auch prüfen.

Wenn deine Vorarbeit erfolgreich abgeschlossen ist und du einen Namen ausgewählt hast, kannst du den Markenanwalt kontaktieren. Er übernimmt anschließend die Feinarbeit der Namen-Recherche. Mit der nötigen Erfahrung und den notwendigen Tools wird er ggf. mögliche ungeahnte Ähnlichkeiten aufspüren.

 

Offizielle Anmeldung

 

Deinen Markennamen kannst du für Deutschland oder aber auch gleich für die EU registrieren lassen. (Für eine Markenanmeldung in den USA frag bitte einen Anwalt.)

Hier hast du die Eckdaten zu den beiden Möglichkeiten auf einen Blick gelistet:

 

Deutsche Marke:
  • Anmeldung bei der DPMA
  • Kosten: 290,- € für drei Klassen. Für jede weitere Klasse: 100,- €. Zusätzlich kommen noch die Anwaltsgebühren hinzu.
  • Ablauf: Bis zur Eintragung können mehrere Wochen vergehen. Nach der Eintragung 3 Monate Widerspruchsfrist. Die Marke kann direkt nach der Eintragung schon bei Amazon genutzt werden. Amazon akzeptiert die offizielle Eintragung für ihre brandregistery.

 

Marke für Europa:
  • Anmeldung bei der EUIPO
  • Kosten: 850,- € für eine Klasse. Für die zweite Klasse: 50,- € und für jede weitere: 150,- €. Zusätzlich kommen noch die Anwaltsgebühren hinzu.
  • Ablauf: Veröffentlichung, dann 3 Monate Widerspruchsfrist, dann erst Eintragung. Bis zur Eintragung (4-5 Monate) kann die Marke nicht für die brandregistry bei Amazon genutzt werden. Wenn ein Widerspruch eingeht, wird die Marke zunächst nicht eingetragen und es entsteht mehr Wartezeit für die brandregistry-Nutzung auf Amazon.

 

Bevor du abwägst, ob es besser ist mit einer Deutschland-Anmeldung zu starten oder doch EU, vorweg eine kurze Klärung der oben genannten Eckdaten:

  • Du fragst dich nämlich vielleicht, was eine Klasse überhaupt ist und woher du wissen sollst, wieviele Klassen du anmelden musst. Eine Klasse ist eine Unterteilungsart für verschiedene Produktkategorien. Dein Anwalt wird von dir sofort wissen wollen, um was für ein Produkt es sich bei deiner Anmeldung handelt. Aufgrund deiner Beschreibung ist es dann seine Aufgabe, für dich die passenden Klassen auszusuchen. Manche Produkte lassen sich nämlich zwei oder drei Klassen zuordnen. Eine Tasche z.B. kann den Kategorien Sportmarke, Taschen, Schuhe, oder Kleider zugeordnet werden. Je nachdem, wohin du deine Marke orientieren willst, wirst du die Marke für entsprechende Klassen anmelden wollen oder nicht. Das kannst du im weiteren Verlauf dann mit deinem Anwalt besprechen und er wird dich hierzu beraten.
  • Bei den Kosten für die Anmeldung musst du immer noch die Anwaltsgebühren hinzurechnen. Das darf nicht vergessen werden. Das sind dann nochmals ein paar Hundert Euro. Diese Kosten musst du bei deinem Anwalt erfragen.
  • Abgesehen von der Kostenfrage ist der Ablauf der Anmeldung interessant. Wie du oben sehen kannst, läuft der Prozess bei einer Anmeldung in Deutschland anders ab, als in der EU. Das kann bei der Eintragung für die Amazon brandregistry wichtig sein, oder wenn du es aus anderen Gründen mit deiner Marke sehr eilig hast.  

Thomas Engels empfiehlt, mit der deutschen Markenanmeldung zu starten, weil es schneller geht, am Anfang billiger ist und man später noch mit einer EU-Anmeldung aufstocken kann. Bei der Erweiterung in die EU gibt es dann eine Prioritätsfrist, in der die Marke gewissen Schutz durch die schon eingetragene Deutsche Marke erfährt. Allerdings sind die Kosten hierbei insgesamt recht hoch, weil man zuerst die Deutsche Marke bezahlt, dann noch die gesamte EU-Anmeldung, plus die jeweiligen Anwaltskosten.

Ich bin dieser Empfehlung nicht gefolgt und habe mich anders entschieden, weil meine Produkte noch nicht auf dem Markt sind und ich die Wartezeit für die EU-Anmeldung habe. Für mich waren die Kosten ausschlaggebend und die Tatsache, dass ich von Anfang an in der EU verkaufen möchte.

Die Wartezeit bis die Marke offiziell deine Marke ist, bleibt noch etwas spannend. Denn die Anmeldung an sich garantiert noch nicht, dass du die Rechte dafür auch bekommst. Gerade große Firmen haben aktive Marken-Überwachungssysteme. Und wenn dein Name deren Markennamen zu ähnlich ist, dann wird hier gleich Einspruch erhoben. Aber besser ist es, frühzeitig auf so eine Situation zu reagieren, als später mit langen Rechtsstreitigkeiten oder Einbußen zu kämpfen.

 

Fazit und zwei abschließende Tipps aus Praxiserfahrung

 

Die beschriebenen Horrorbeispiele müssen alle gar nicht eintreffen. Trotzdem solltest du mithilfe eines Anwalts die rechtlich richtigen Schritte einleiten. Eine fundierte Beratung über die Namensrecherche, Wort- und/oder Bildmarke, Klassenauswahl und spätere Markenstrategie ist eine wichtige Investition in deine neue Brand.

Tipps von Thomas:

  • Halte dich an die Regeln und auf keinen Fall eigenständig ein ® an deine Marke hängen. So etwas führt zu hohen Abmahngebühren.
  • Amazon Seller schreiben gerne mal die Marken des Konkurrenten in die Backendkeywords. Das solltest du nicht tun, weil du wegen Markenverletzung abgemahnt werden könntest.

 

Ich hoffe, diese Zusammenfassung und die Infos helfen dir weiter. Nun wünsche ich dir viel Spaß und Erfolg bei der Namensuche und beim Brandbuilding!

 

Dorothea Whitehead

Dorothea Whitehead

Doro ist seit Juni '17 bei PLJ dabei und kümmert sich hier um die Administration, Blogs und Organisatorisches. Mit Ellis zusammen ist sie selbst begeisterte Amazon-Sellerin und natürlich hat der spannenden Weg zum Amazon-Biz über PLJ begonnen. Doro hat zwei Kinder: "Das Beste ist, dass ich mein Muttersein und das Business hervorragend vereinbaren kann."


Related Articles

Jungle Scout Alternative für DE – Welche Software gibt es?

Wir haben in einem älteren Beitrag schonmal ausführlich über das beliebte Produkt Recherche Tool Jungle Scout berichtet. In der Kurzfassung kann

Wer nicht wirbt der stirbt: PPC für Einsteiger

Nutzt du eigentlich Amazon PPC? Falls nicht solltest du schleunigst damit anfangen um dein Umsätze zu steigern und deine Rankings

PPC für Profis – Amazon PPC (Teil #3)

Du hast es geschafft. Verkäufe kommen täglich rein. Deine Amazon PPC Auto Kampagne brummt. Eine Basis an Bewertungen ist vorhanden,

3 comments

Write a comment
  1. someone159
    someone159 30 March, 2018, 10:24

    Die Anwaltsgebühren jann man sich jedoch durchaus sparen. Die Nizza Klassen sprechen für sich, eine schnelle Recherche im DPMA Verzeichnis kann jeder selber und die Markeneintragung kann mit ein bisschen geklicke online beantragt werden.

    Reply this comment
    • Dorothea Whitehead
      Dorothea Whitehead Author 31 March, 2018, 20:32

      Hi someone
      Das mag ja für Dich zutreffen, wenn du dich sehr sicher fühlst. Aber wir hatte schon zwei Situationen, wo die Beratung durch den Anwalt notwendig war. Das lag nicht daran, dass wir die Nizza-Klassen nicht wußten, sondern dass der Name tatsächlich tricky war. Der Anwalt hat dann für uns die Feinheiten recherchiert und auch die bürokratischen Abläufe für uns erledigt, als Einspruch eingelegt wurde.

      Viele Grüße und frohe Ostern 😉
      Doro

      Reply this comment
  2. Showit
    Showit 11 April, 2018, 15:52

    Hi,

    Super Beitrag! Ich bzw. Wir von http://www.machwasneues.de stehen selbst aktuell in dem Prozess der Markenanmeldung und sind dir sehr dankbar. Ich denke für Anfänger reicht erstmal eine deutsche Markenregistrierung. Wir wollten eigentlich einen deutschen Namen wählen, aber um genau die EU-Option weiterhin zu behalten werden wir einen Fantasienamen wie “Google” wählen.

    Grüße

    Showit

    Reply this comment

Write a Comment

Your e-mail address will not be published.
Required fields are marked*

Erfolg auf Amazon?

In 5 Schritten zum erfolgreichen Amazon Seller

Kostenloses E-Book!

Free E-Book als PDF nach der Anmeldung zum Newsletter.

Willkommen